Für E-Camper

E-Auto am Stellplatz laden: erlaubt oder verboten?

4 Min. LesezeitRoman Klesper

Kurze Antwort: meistens nein. Die blaue CEE-Steckdose an deinem Stellplatz ist für Wohnstrom da. Viele Plätze verbieten ausdrücklich, dort ein E-Auto anzuschließen. Und die meisten davon haben trotzdem eine Ladesäule. Säule ja, Steckdose nein: das ist der Normalfall.

Die Zahlen

Wir haben die Websites von 435 Campingplätzen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz ausgewertet. Jede Angabe mit Quelle und wörtlichem Zitat.

  • 27 Plätze verbieten das Laden am Stellplatz ausdrücklich: 20 in Deutschland, 7 in den Niederlanden.
  • 23 davon nennen eine Alternative, meist eine Ladesäule am Eingang oder auf dem Parkplatz.
  • Im größeren deutschen Crawl nennen 324 Plätze E-Auto-Laden konkret. 84 davon schließen es ausdrücklich aus.

Wichtig: Die übrigen Plätze erlauben es nicht automatisch. Die meisten sagen schlicht nichts dazu. Keine Angabe heißt nicht ja.

Was die Plätze selbst schreiben

Die Begründungen auf den Websites sind erstaunlich einheitlich.

Das Netz hält es nicht aus. Naturcamping Zwei Seen in Mecklenburg-Vorpommern schreibt, Laden am Platzanschluss führe „zur massiven Überlastung und Gefährdung unseres Stromnetzes“. Höhencamping Königskanzel im Schwarzwald: „die Infrastruktur am Stellplatz ist nicht für das Laden von Elektroautos ausgelegt.“

Die Pauschale deckt es nicht. Camping Pfronten im Allgäu stellt klar, dass E-Fahrzeuge „nicht Bestandteil der Strompauschale“ sind. Bei Trendcamping Wolfach-Halbmeil steht direkt beim Preis: „Strompauschale (gilt nicht für E-Autos)“.

Es kostet extra, wenn du erwischt wirst. Der Campingpark Kühlungsborn erhebt laut Website bei Missachtung „eine Gebühr von 100,00 €“.

In den Niederlanden klingt es ähnlich, etwa bei Camping Het Veluws Hof: Laden „bij uw kampeerplaats is niet toegestaan“, also am Stellplatz nicht erlaubt.

Warum das technisch Sinn ergibt

Eine CEE-Steckdose am Stellplatz ist oft nur mit 6 bis 10 A abgesichert. Ein mobiles Ladegerät zieht diese Leistung über viele Stunden ohne Pause. Mehrere Gäste in derselben Reihe laden gleichzeitig, und die Unterverteilung ist dafür nie gerechnet worden. Dann fliegt die Sicherung, im Zweifel für alle Nachbarn.

Dazu kommt das Geld: Eine Nacht Laden sind schnell 20 kWh. So viel braucht ein Wohnwagen für Licht und Kühlschrank sonst in mehreren Tagen.

So lädst du stattdessen

1. Ladesäule am Eingang oder Parkplatz. Der häufigste Fall. Meist 11 oder 22 kW, also in wenigen Stunden voll. Nachteil: Du musst umparken, mit Wohnwagen heißt das abkoppeln. Häng dein Auto nach dem Laden ab, andere warten.

2. Leih-Adapter mit Zähler. Einige Plätze erlauben Laden am Stellplatz nur mit eigenem Gerät von der Rezeption. Beim Ostseequelle-Camp etwa gibt es einen Typ-2-Adapter gegen 150 € Kaution, mit höchstens 6 A. Eigene Ladekabel sind dort verboten.

3. Nach Absprache. Manche Plätze schreiben nur: Laden nach Absprache mit der Platzleitung. Frag dann konkret nach Ort, Uhrzeit und Preis.

4. Mit Zeitlimit. Vor allem in den Niederlanden begrenzen Plätze die Ladezeit an der Säule, zum Beispiel auf drei oder vier Stunden. Für eine volle Nacht reicht das nicht, für die Weiterfahrt meist schon.

Was du vor der Buchung tun solltest

  • Platzprofil ansehen. Bei jedem Platz in unserer Suche steht, wo geladen wird und ob es Einschränkungen gibt, mit Quelle.
  • Schriftlich fragen. „Darf ich mein E-Auto am Stellplatz laden? Wenn nein: wo, mit wie viel kW und zu welchem Preis?“ Eine Mail-Antwort hilft dir im Zweifel an der Rezeption.
  • Keine Bastellösung. Kein Adapter über Schuko, keine halb aufgerollte Kabeltrommel. Mehr dazu in E-Auto auf dem Campingplatz laden.

Für Betreiber

Ein Verbot ist legitim, wenn das Netz es nicht hergibt. Gäste akzeptieren es eher, wenn sie es vor der Buchung lesen und gleich die Alternative erfahren: wo die Säule steht, wie viel kW sie hat, was es kostet. Wie viele E-Autos Ihr Anschluss wirklich verträgt, zeigt der Schnellcheck in fünf Minuten.

So haben wir gezählt

Grundlage sind die Websites der Plätze (Platzordnung, FAQ, Preisliste), Stand Oktober 2026. Gezählt haben wir nur ausdrückliche Verbote am Stellplatz mit wörtlichem Zitat. Verbote nur für Mietunterkünfte, reine Hinweise auf Absprachen und Zeitlimits zählen nicht dazu. Die Zahl 84 stammt aus dem breiteren Crawl aller deutschen Plätze mit erreichbarer Website, beschrieben im E-Camping Report 2027. Kein Platz wurde bisher vor Ort geprüft. Stimmt eine Angabe nicht mehr, können Betreiber sie über ihr Platzprofil korrigieren.

Häufige Fragen

Darf ich mein E-Auto an der Steckdose am Stellplatz laden?
Meist nicht. In unserer recherchierten Auswahl verbieten 27 Plätze das Laden am Stellplatz ausdrücklich, 20 in Deutschland und 7 in den Niederlanden. Von 324 deutschen Plätzen, deren Website E-Auto-Laden konkret nennt, schließen 84 es aus. Ohne ausdrückliche Erlaubnis gilt: nicht anstecken, sondern fragen.
Warum verbieten Campingplätze das Laden am Stellplatz?
Das Stellplatznetz ist für Wohnstrom ausgelegt, nicht für stundenlange Dauerlast. Mehrere E-Autos gleichzeitig überlasten Unterverteilungen und Absicherung. Dazu kommt: Die Strompauschale ist für Licht und Kühlschrank kalkuliert, nicht für 20 kWh pro Nacht.
Was passiert, wenn ich trotzdem lade?
Das regelt die Platzordnung. Der Campingpark Kühlungsborn etwa erhebt laut eigener Website eine Gebühr von 100 €. Löst die Sicherung aus, sitzt im Zweifel die ganze Reihe im Dunkeln.
Wo lade ich, wenn der Stellplatz tabu ist?
Meist an einer Ladesäule am Eingang oder auf dem Parkplatz. 23 der 27 Plätze mit Verbot nennen so eine Alternative. Manche Plätze verleihen auch Adapter mit Zähler oder erlauben Laden nach Absprache.

Quellen