E-Auto mit Wohnwagen laden: Stopps fürs Gespann
Mit Wohnwagen fährt dein E-Auto gut. Der Engpass ist das Laden. Die Reichweite halbiert sich ungefähr, und die meisten Schnelllader sind für Autos ohne Anhänger gebaut. Mit etwas Planung klappt es trotzdem.
Wie weit kommst du mit Wohnwagen?
Rechne mit etwa 200 km zwischen zwei Ladestopps.
- Der ADAC ist mit einem Kia EV6 und einem 1.600 kg schweren Wohnwagen 1.281 km durch vier Länder gefahren. Der Verbrauch lag bei 36,6 kWh pro 100 km, 83 % mehr als ohne Wohnwagen. Die Reichweite sank von rund 400 auf rund 220 km.
- Das ADAC-Team hat deshalb Etappen von 180 bis 200 km geplant, mit Puffer.
- Am sparsamsten war es, im Tempo der Lkw mitzufahren.
Plane deine Etappen auf 150 bis 200 km. Dann bleibt Luft, wenn eine Säule belegt oder außer Betrieb ist.
Abkoppeln oder durchfahren?
Die meisten Schnellladesäulen stehen vor Kopf der Parkplätze. Mit Gespann kommst du dann nicht heran, ohne andere Plätze zu blockieren. Im ADAC-Test musste der Wohnwagen zum Laden jedes Mal abgekoppelt und separat geparkt werden.
Es gibt Ausnahmen:
- Raststätte Kassel Ost (A7): Die zwölf Ladepunkte stehen neben den Stellplätzen statt davor. Laut electrive können dort auch Gespanne laden, ohne abzukoppeln.
- Rhede (Ems) an der A31: Der Ladepark „Backcharge Heavy“ hat vier Ladeplätze, die von beiden Seiten befahrbar sind, mit bis zu 480 kW. Er ist für E-Lkw, E-Busse und E-Auto-Gespanne mit Wohnwagen gedacht.
Eine vollständige Liste solcher Plätze gibt es nicht. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur hat kein Feld für gespanntaugliche Ladeplätze. Wir haben es geprüft: Zum Parkraum steht dort höchstens, ob nur Kunden laden dürfen. Auch in OpenStreetMap fehlt bisher ein einheitliches Merkmal dafür.
So planst du die Ladestopps
- Etappen von 150 bis 200 km festlegen und für jeden Stopp eine Ausweichsäule in Reichweite notieren. Im ADAC-Test fielen zwei Schnellladeparks komplett aus.
- Bezahlen absichern: Nimm mindestens eine Ladekarte oder App mit, die im Reiseland funktioniert. Im ADAC-Test scheiterte die Zahlung per Karte direkt an der Säule.
- Zeit fürs Abkoppeln einrechnen: Plane pro Stopp etwa zehn Minuten fürs Ab- und Ankoppeln ein. Eine Rückfahrkamera hilft beim Ankoppeln.
- Wohnwagen richtig abstellen: am Rand, nicht auf einem Ladeplatz und nicht in der Zufahrt. Unterlegkeile und Handbremse nicht vergessen.
- Stopps mit Pausen verbinden: Frühstück, Mittagessen, Vignette kaufen. So kostete das Laden das ADAC-Team am ersten Tag kaum Zeit.
Am Ziel: der Campingplatz
Über Nacht auf dem Campingplatz zu laden ist am entspanntesten. Ladepunkte direkt am Stellplatz sind aber selten. In unserer recherchierten Auswahl von 435 Plätzen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden nennen nur 6 Laden am Stellplatz. Meist stehen die Ladepunkte am Eingang oder auf dem Parkplatz. Mit Gespann heißt das: erst den Wohnwagen abstellen, dann zum Laden umparken.
Die gute Nachricht: Eine Schnellladesäule ist fast immer in der Nähe. Bei den 158 deutschen Plätzen in unserer Auswahl liegt die nächste öffentliche Schnellladesäule ab 50 kW im Median 3,6 km Luftlinie entfernt. Bei 111 Plätzen sind es höchstens 5 km, bei 150 höchstens 10 km. Das haben wir mit dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur ausgewertet (Stand 1. September 2026). Auf jedem deutschen Platzprofil siehst du die drei nächsten Schnellladesäulen mit Entfernung und Leistung.
Das heißt für dich: Den Wohnwagen stellst du am Platz ab. Volladen kannst du solo an der nächsten Säule, auch wenn der Platz selbst nur langsam oder gar nicht lädt.
Checkliste für die Ladestopps
- Etappen 150 bis 200 km, je eine Ausweichsäule.
- Zwei Bezahlwege: Ladekarte und App.
- Säulen vorher im Satellitenbild prüfen: seitlich, Durchfahrt, lange Bucht?
- Zehn Minuten pro Stopp fürs Abkoppeln einplanen.
- Am Ziel: Ladeort am Platz vorher erfragen, nächste Schnellladesäule im Platzprofil nachsehen.
Alles zu Anhängelast, Führerschein und Reichweite steht im Ratgeber Wohnwagen mit E-Auto ziehen. Welche E-Autos wie viel ziehen dürfen, zeigt die Anhängelast-Tabelle.
Häufige Fragen
- Muss ich zum Laden den Wohnwagen abkoppeln?
- An den meisten Schnellladern ja, weil die Säulen vor Kopf der Parkplätze stehen. Im ADAC-Test mit Kia EV6 und Wohnwagen musste das Team zum Laden jedes Mal abkoppeln. Einige Ladeparks haben Plätze zum Durchfahren, zum Beispiel die Raststätte Kassel Ost an der A7.
- Wie weit komme ich mit Wohnwagen bis zum nächsten Ladestopp?
- Rechne mit etwa 200 km. Der ADAC kam mit Kia EV6 und 1.600-kg-Wohnwagen auf 36,6 kWh pro 100 km und rund 220 km Reichweite. Plane Etappen von 150 bis 200 km, damit ein Puffer bleibt.
- Gibt es eine Liste von Ladesäulen für Gespanne?
- Nein, keine vollständige. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur hat kein Feld dafür, und in OpenStreetMap fehlt bislang ein einheitliches Merkmal. Hinweise geben die Apps der Betreiber und das Satellitenbild.
- Wie weit ist es vom Campingplatz zur nächsten Schnellladesäule?
- Bei den 158 deutschen Plätzen in unserer Auswahl liegt die nächste öffentliche Schnellladesäule ab 50 kW im Median 3,6 km Luftlinie entfernt, bei 111 Plätzen höchstens 5 km. Grundlage ist das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, Stand 1. September 2026.
Quellen
- ADAC: Urlaub mit Elektroauto und Wohnwagen (Test Kia EV6 mit Dethleffs Aero 470 FSK) · abgerufen 19. Oktober 2026
- electrive: Tank & Rast und Mer eröffnen Ladepark an Raststätte Kassel Ost · abgerufen 19. Oktober 2026
- electrive: Schmees eröffnet „Backcharge Heavy“-Ladepark an der A31 · abgerufen 19. Oktober 2026
- OpenStreetMap Community: Tag für Laden ohne Abkoppeln · abgerufen 19. Oktober 2026
- Bundesnetzagentur: Ladesäulenregister (CC BY 4.0), Stand 01.09.2026 · abgerufen 19. Oktober 2026