Für Betreiber

Wie viele E-Autos verträgt Ihr Netzanschluss?

2 Min. LesezeitRoman Klesper

Die Rechnung macht vielen Betreibern Sorgen: 100 Stellplätze mal 11 kW Ladeleistung sind 1.100 kW. Kaum ein Campingplatz hat einen Anschluss in dieser Größe. Muss also erst ein neuer Trafo her?

Meist nicht. Die Rechnung geht von einer Situation aus, die es nie gibt: alle Autos gleichzeitig, alle mit voller Leistung.

Warum E-Camper anders laden

Ein Gast kommt am Nachmittag an und fährt am nächsten Vormittag weiter. Das Auto steht 12 bis 16 Stunden. Es muss in dieser Zeit nicht mit 11 kW laden.

  • Mit 3,7 kW kommen in zwölf Stunden rund 44 kWh in den Akku. Das reicht für die meisten Etappen.
  • 20 E-Autos mal 3,7 kW sind 74 kW, nicht 1.100.
  • Nachts ist Ihre übrige Last am niedrigsten. Sanitär, Gastronomie und Heizung haben ihre Spitzen morgens und abends.

Die eigentliche Frage ist also nicht „Wie viel Leistung brauche ich?“, sondern „Wie viel Leistung habe ich nachts frei, und wie verteile ich sie?“.

Fünf Schritte, bevor Sie investieren

1. Lastgang anfordern. Wenn Ihr Platz mehr als 100.000 kWh im Jahr verbraucht, haben Sie in der Regel eine registrierende Leistungsmessung. Ihr Messstellenbetreiber kann Ihnen den Lastgang in 15-Minuten-Werten geben. Daraus sehen Sie Ihre Spitzen und Ihre freien Stunden.

2. Vorhandenes sichtbar machen. Wenn Sie schon Ladepunkte haben, veröffentlichen Sie Anzahl, Ort, Leistung und Preis pro kWh. Genau diese Angaben fehlen auf den meisten Campingplatz-Websites. Das kostet nichts und bringt Ihnen sofort Sichtbarkeit bei E-Campern.

3. Nach kWh abrechnen. Eine Pauschale passt nicht zu 20 bis 40 kWh pro Nacht. Abrechnung nach kWh ist fair für den Gast und schützt Ihre Marge.

4. Mit Lastmanagement am Stellplatz beginnen. Starten Sie mit einer Reihe Stellplätze mit eigenem Ladepunkt, gezielt buchbar. Ein Lastmanagement verteilt die freie Leistung auf alle Autos, die gerade laden. So wächst der Ausbau mit der Nachfrage.

5. Solarstrom als Plus, nicht als Pflicht. Eine PV-Anlage senkt Ihre Kosten tagsüber. E-Camper laden aber vor allem nachts. Rechnen Sie PV deshalb zuerst für den Eigenbedarf und erst danach für das Laden.

Wo Sie heute stehen

Laut E-Camping Report 2027 bieten nur 6 von 435 Plätzen in DACH und den Niederlanden laut Angabe Laden direkt am Stellplatz. In Deutschland sind 2.034.260 E-Autos zugelassen (Kraftfahrt-Bundesamt, 1. Januar 2026). Wer jetzt sauber plant, gehört zu den Ersten.

Ihr nächster Schritt

Unser Gratis-Schnellcheck schätzt in fünf Fragen und zwei Minuten, wie viele E-Autos Ihr Netzanschluss verträgt. Wir verkaufen keine Wallboxen und nehmen keine Provisionen von Herstellern.

Häufige Fragen

Brauche ich für E-Camper einen neuen Netzanschluss?
Nicht unbedingt. Gäste laden meist über Nacht und stehen 12 bis 16 Stunden. Mit Lastmanagement verteilen Sie die freie Leistung auf diese Zeit. Ob Ihr Anschluss reicht, zeigt der Lastgang.
Was ist ein Lastgang?
Die Aufzeichnung Ihres Stromverbrauchs in 15-Minuten-Werten. Bei registrierender Leistungsmessung liegt er Ihrem Messstellenbetreiber vor. Fragen Sie ihn danach.
Sollte ich pauschal oder nach kWh abrechnen?
Nach kWh. Ein E-Auto lädt über Nacht leicht 20 bis 40 kWh. Eine Pauschale ist dafür entweder zu teuer für den Gast oder zu billig für Sie.

Quellen